Gesche Piening

Kreativ aber günstig

Sind Künstler*innen das ideale Arbeitsmodell westlicher Ökonomien?

2014

Ort

Bayern 2 (Ursendung)
Koproduktion: DLF

Beschreibung

„Offensichtlich scheinen Unternehmen entdeckt zu haben, dass diese Form von – nennen wir es mal Flexibilität – die gepaart ist mit einer hohen Eigenmotivation, nämlich sich auch außerhalb der Arbeitszeiten oder am Wochenende aus Leidenschaft an Dinge zu setzen, etwas ist, was man sich auch in klassischen Unternehmen wünscht und man versucht, die Antriebe und Arbeitsweisen, die man mit Künstlern assoziiert, in die Unternehmen hineinzukopieren.“ — Ulf Schmidt, Theaterautor, Blogger, Digitalberater, Theaternachdenker

„Da gibt es ganz, ganz viele banale Beispiele im Alltag, wo Mitarbeiter sich zu wenig trauen, einen Prozess oder eine Aufgabe auch mal selbst zu gestalten, obwohl sie die Vorstellung dazu hätten, wie es sein sollte, aber sie trauen es sich nicht. Und der Künstler ist die Figur, die sich das traut.“ — Agostino Cisco, Personalberater eines global agierenden Unternehmens

Eigenbrötlerisch, kompromisslos, gesellschaftskritisch, arm, aber glücklich und voller Selbstachtung – das war einmal. Das Klischee des weltfremden Künstlers ist passé. Wer sich heute noch für eine künstlerische Laufbahn entscheidet, sollte Begriffe wie Elfenbeinturm und Kompromisslosigkeit genauso aus seiner Mindmap streichen wie Selbstverwirklichung und Selbstachtung. Arm ist der Künstler nach wie vor, doch wo Kunst einst als Instrument zur Gesellschaftskritik galt wird sie heute als Tool zum unternehmerischen Erfolg verstanden, der Künstler selbst als Dienstleister, der von Projekt zu Projekt Flexibilität, permanente Verfügbarkeit, Risikobereitschaft und Anpassungsfähigkeit beweist. Längst kein Gegenentwurf zum Unternehmer mehr, ist er in der Mitte angekommen und gilt als das ideale Arbeitsmodell westlicher Ökonomien.

Nominierungen & Auszeichnungen

Nominiert für den Alternativen Medienpreis 2015

Mitwirkende

Text und Regie: Gesche Piening

Sprecher*innen: Sabine Kastius, Thomas Meinhardt, Heinz Peter, Gesche Piening und Judith Toth

Interviewpartner*innen: Agostino Cisco (Personaler), Jürgen Enninger (Experte für creative industries), Florian Fischer (Regiestudent) und Ulf Schmidt (Theaterautor).

Musik: Wolfgang Petters, Hausmusik

Ton und Technik: Michael Krogmann und Ruth-Maria Ostermann
Redaktion: Katja Huber

Produktion: Bayerischer Rundfunk / Deutschlandradio 2014

Pressestimmen

So entwickelt die Autorin einen spannenden Diskurs aus Interviewstimmen und dramatischem Text.

Haidhauser Nachrichten