Gesche Piening
Bestattung von Amts wegen, leere Trauerhalle
Foto: Gesche Piening

Einsam stirbt öfter. Ein Requiem

Ein Requiem für all jene, die in der übervollen Großstadt vereinsamt leben, unbemerkt sterben und schließlich allein bestattet werden.

2020

Ort

Bayern 2 (Ursendung)
Übernahmen: DLF, WDR, SRF

Beschreibung

Eine Aussegnungshalle, eine Trauerfeier, ein Verstorbener – aber keine Trauernden. Geboren, gelebt und gestorben. Mitten in der Stadt. Unter Menschen und doch fremd. Was ist da passiert? „Einsam stirbt“ öfter erzählt von all denen, die mitten in der übervollen Großstadt vereinsamt leben, unbemerkt versterben und schließlich von Amts wegen bestattet werden, weil niemand sonst ihre Totenfürsorge übernehmen will oder kann.

Wie konnte es so weit kommen? Wie wurde ihr Leben zu dem, was es am Ende war? Was ist da passiert? Geboren, gelebt und gestorben. Einsam geworden, einsam gestorben. Verloren gegangen. Irgendwann. Fremd unter Menschen im Leben, fremd und alleine bis in den Tod. Von Fremden bestattet, von anderen nicht weiter bemerkt. Was ist da passiert? Gab es Familie? Freunde? Nachbarn? Einen Bäcker, der den Toten vermisst? Eine Briefträgerin, die feststellt, dass die Frau, die niemals Post bekam, nun auch nicht mehr die Wohnung verlässt? Was bleibt, wenn keiner zurückbleibt, der weint?

„Einsam stirbt öfter“ erkundet, was im Leben wirklich wichtig ist. Wie müssen wir leben müssen, um glücklich zu sterben?

Mitwirkende

Text und Regie: Gesche Piening

Musik: Maasl Maier, Marja Bruchard

Mit: Stephan Bissmeier, Sylvana Krappatsch, Katja Bürkle, Raphaela Möst, Harry Täschner, Uta Rachov, Georgia Stahl, Peter Fricke, Johannes Silberschneider, Georgia Stahl, Uta Rachov, Xenia Tiling, Ercan Karacayli, Mareike Beykirch, Stephan Zinner, Christopher Mann, Friedrich Schloffer, Jeannette Kummer, Wolfgang Petters, Ulrich Zentner

Technische Realisierung: Winfried Meßmer, Michael Krogmann, Daniela Röder
Redaktion: Katja Huber
Regieassistenz: Stefanie Ramb

Produktion: Bayerischer Rundfunk 2020

Pressestimmen

Schon die ersten Sekunden dieses Hörspiel setzen einen klaren Fokus, der das gesamte Stück bestimmt. Ein thematischer Sog entsteht, der unmittelbar und doch sehr leise die zutiefst menschliche Geste unterlegt, mit der die Autorin die einsam Verstorbenen postum ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit rückt. Kein lauter Ton, keine künstlerisch schrille Pose kommt vor in diesem „Requiem“, wie das Hörspiel im Untertitel verdientermaßen heißt.

Deutschlandfunk Hörspielmagazin

Das Hörspiel ist ein Klagegesang, der teilweise die Wucht einer antiken Tragödie entwickelt.

Süddeutsche Zeitung

Gesche Piening lässt in kleinen Parabeln der Einsamkeit Erinnerungsspuren aufleuchten, die dem Hörer die biografischen Ausgrenzungen und Verletzungen plastisch vor Ohren führen. Sie alle, diese von „Amts wegen“ einsam Bestatteten, sind Ausgegrenzte und Übersehene. Insofern wird hier nicht nur der Toten gedacht, sondern es hebt auch eine stille Klage gegen eine Gesellschaft an, die die Anonymität gesellschaftsfähig gemacht hat. Wunderbar sind im Stück die rhythmisch eingeblendeten Kurzszenen und Kommunikationsbrüche und Redundanzen in Flurgesprächen – Spiegel fatalster Vereinsamung!

Medienkorrespondenz

Stilistisch arbeitet die Autorin, die auch Regie führte, mit einem reichen Formenrepertoire, das aus fiktionalen, dokumentarischen, lyrischen und musikalischen Mitteln besteht. Jede Szene hat ihren speziellen Rhythmus, ihre eigene Formensprache und lebt in ihrem eigenen akustischen Raum. Weder inszeniert noch arrangiert Gesche Piening ihr O-Tonmaterial, sie verdichtet es. Und gerade darin besteht ihre Kunst im Umgang mit dem Stoff: Es wird nichts erfunden aber die Wirklichkeit gewinnt an Tiefe und damit an lange nachklingender Bedeutung.

Jurybegründung zur Nominierung für den 70. Hörspielpreis der Kriegsblinden