Die Könige spielen die anderen
Ort
Weitere Ausstrahlungen:
Samstag, 01. Februar 2025 um 20:05 Uhr auf DLF
Ursendung:
16. November 2024 um 20:05 Uhr auf DLF
am 17. November 2024 um 18:30 Uhr auf DLF Kultur
Prelistening im Rahmen der ARD-Hörspieltage im ZKM in Karlsruhe am 08. November 2024 um 10 Uhr
Beschreibung
Tief verwurzelte hierarchische Muster durchdringen sowohl die Chefetage als auch die Mitarbeitenden, die sich durch ihr Verhalten mit diesen Strukturen - bewusst oder unbewusst - arrangieren. Eine differenzierte, nüchterne Arbeitsweltanalyse, die die Rollenzuschreibungen aller Beteiligten minutiös seziert.
„Was ich meinem Chef nie sagen würde: Ich arbeite mich an deiner Art zu existieren ab, bin gleichermaßen fasziniert wie abgestoßen. Du prägst meine Wahrnehmung, bist für mich wie gelungene Ästhetik, schwer zu deuten, fesselnd, verstörend mitunter, rätselhaft und sehr weit von mir entfernt.“
Die Könige spielen die anderen dringt tief in das Innenleben von Führungskräften und Angestellten ein. Dabei treten selbstgefällige und zugleich unsichere Vorgesetzte, unaufhörlich arbeitende Beschäftigte und paternalistische Pragmatiker auf den Plan, die trotz offensichtlicher, quälend unbeantworteter Sinnfragen unbeirrt ihre Arbeit fortsetzen. Aus dieser perspektivreichen Charakterstudie erwächst das Bild einer Arbeitswelt, in der Entfremdung allgegenwärtig ist – von sich selbst und von den anderen. Doch im Hintergrund knallt auch schon ein Sektkorken, das Zeichen für den Abschluss eines Geschäfts. Denn die Arbeit muss ja schließlich weitergehen, oder etwa nicht?
Nominierungen & Auszeichnungen
ausgezeichnet von der Deutschen Akadmie der Darstellenden Künste Hörspiel des Monats November 2024
Mitwirkende
mit Godehard Giese, Silke Bodenbender, Gisa Flake, Lotte Ohm, Florian Lukas, Stephan Bissmeier, Holger Bülow, Malene Becker, Ole Fischer
Besetzung: Kathi Bonjour und Jutta Kommnick
Komposition: Michael Emanuel Bauer
Trompete und Flügelhorn: Nikolaus Neuser
Klavier: Michael Emanuel Bauer
E-Bass und Elektronik: Hannes Strobl
Ton und Technik: Eugenie Kleesattel, Thomas Monnerjahn
Regieassistenz: Swantje Reuter
Regie: Gesche Piening
Dramaturgie: Christine Grimm
Produktion: DLF Kultur 2024
Pressestimmen
Wie bei einem großen Dominospiel die Steine kippen hier die Wörter ineinander. Als Zuhörer kann man sich in die namenlosen Figuren einfühlen und ist zugleich von allen ein bisschen genervt. Von ihrem Gehabe, ihren Sinn(los)sprüchen. Fast alle spielen sich hier als Könige auf und sehen aber stets nur in den anderen jene, die sie dominieren wollen. Was Pienings klug rhythmisiertes Hörspiel nicht ist: eine Abrechnung mit den Menschen in den Chefetagen. Ein Beklagen von Machtstrukturen, Machtmissbrauch, Machtgier. Sondern eine sehr genaue, oft ziemlich lustige Beobachtung des Unausweichlichen, Unvermeidbaren.
Süddeutsche Zeitung, 16. November 2024
Gesche Piening thematisiert Machtstrukturen und Wachstumskreisläufe, die schon viel zu lange danach verlangen, durchbrochen und aufgelöst zu werden, und sie bietet eine Lösung an: Der Reflex, immer wieder in festgelegte und konditionierte Rollenbilder zu verfallen, muss gelöscht werden. Um dies zu erreichen, sendet das Hörspiel wiederholt inhaltliche Reize aus („Kennen wir uns?“), in der Hoffnung, dass die Hörenden eigene festgefahrene Muster auflösen können. Dieser Versuch ist bemerkenswert und darum Hörspiel des Monats November 2024.
Jurybegründung Hörspiel des Monats, Deutsche Akademie der Darstellenden Künste