Gesche Piening

Brenne und sei dankbar

Die Wanderausstellung „brenne und sei dankbar“ beleuchtet interessante Einzelaspekte der kulturpolitischen und finanziellen Grundsituation sowie der Arbeits- und Lebensbedingungen von Freien Theater- und Tanzschaffenden in Deutschland.

Von der Premiere 2012 in der Akademie der Künste, Berlin bis 2015 wurde die Ausstellung in weiteren Bundesländern in Theaterhäusern, auf Festivals, Kongressen, in politischen Institutionen und Ausbildungsstätten gezeigt.

2012

Ort

  • Akademie der Künste Berlin (Premiere)
  • Deutsches Schauspielhaus Hamburg
  • Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt a. M.
  • Marstall des Residenztheaters München
  • Theaterfestival „150% made in Hamburg“
  • LOFFT – Leipziger Off-Theater
  • DANCE-Festival
  • Schwankhalle Bremen
  • Südbahnhof Krefeld
  • TAFELHALLE Nürnberg
  • Kampnagel K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg
  • Stuttgarter Theaterpreis Theaterhaus Stuttgart
  • Gängeviertel Hamburg
  • Theaterfestival »Kaltstart« Hamburg
  • Thüringische Sommerakademie
  • Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen Berlin
  • Best OFF – Festival Freier Theater Hannover
  • i-camp München
  • Brunsviga – Kultur- und Kommunikationszentrum Braunschweig
  • Theater Vorpommern
  • Golden City Hafenbar Bremen

Beschreibung

Deutschlands Theater- und Tanzlandschaft ist berühmt. Im internationalen Vergleich fällt sie besonders durch ihre große Zahl, ihre Vielfalt, ihre hohe Qualität und ihren Publikums­erfolg auf. Dies verdankt sie auch der großen Bedeutung, die die Darstellenden Künste in Deutschland allgemein genießen – als künstlerische Ausdrucksform und als gesellschaftliche Stimme.

Neben den öffentlich geförderten Staats-, Stadt- und Landestheatern gibt es in Deutschland auch eine professionelle Freie Theater- und Tanzszene. In den späten 1960ern verstand sie sich als explizit Politisches Theater und betonte ihre Unabhängigkeit von den traditionsreichen Staats-, Stadt- und Landestheatern. Strukturell entwickelte sie ganz neue Organisations und Produktionsweisen. Ästhetisch erfand die freie Theater- und Tanzszene mit großer Experimentierfreude und avantgardistischer Freiheit völlig neue Formen und wagte sich an große gesellschaftlich relevante Themen. Sie spielte ihre Produktionen an ungewöhnlichen, theaterfernen Orten, schloss sich mit anderen Künsten zusammen und präsentierte sich international. Auf diese Weise konnte sich die Freie Theater- und Tanzszene in Deutschland nach und nach etablieren. Bis heute wächst sie stetig.

Viele Innovationen und Errungenschaften, die die Freie Theater- und Tanzszene hervorgebracht hat, beeinflussen heute die Arbeit an Staats-, Stadt- und Landestheatern sowie an den Hochschulen der Darstellenden Künste. Mittlerweile bestehen zahlreiche Kooperationsformen beider Systeme.

Die Freie Theater- und Tanzszene besteht aus unabhängigen, professionellen Einzelkünstler/innen und Künstlergruppen. Diese produzieren künstlerisch und finanziell eigenverantwortlich. Auch für sie gibt es verschiedene Möglichkeiten der öffentlichen Unterstützung, wenn auch auf einem deutlich niedrigeren finanziellen Niveau als für Staats-, Stadt- und Landestheater. Die angespannte finanzielle Lage in Ländern und Kommunen bedroht jedoch diese Vielfalt.

Auch in der Kulturnation Deutschland herrschen die marktwirtschaftlichen Prinzipien mehr und mehr über die kulturellen Aktivitäten. Ziel ist es, mit immer weniger Geld
Leistungsfähigkeit und Effizienz zu steigern. Für Kunst- und Kulturschaffende sind die Folgen fatal. Die kontinuierliche Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen für Künstlerinnen und Künstler ist beispielhaft für die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte und die Entwicklung in anderen Bereichen unserer Gesellschaft – der Kunst kommt hier eine fragwürdige Vorreiterrolle zu.

Um die derzeitige wirtschaftliche, soziale und arbeitsrechtliche Lage der Freien Theater und Tanzschaffenden in Deutschland in seiner ganzen Komplexität zu dokumentieren, hat der Fonds Darstellende Künste Ende 2010 den „Report Darstellende Künste“ publiziert (Herausgeber Günter Jeschonnek). Die Ergebnisse des „Report Darstellende Künste“ sind Grundlage für die Ausstellung „brenne und sei dankbar“.

Links

Förderer

Die Ausstellung wurde gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, den ver.di-Bundesvorstand – Fachgruppe Theater und Bühnen und den Fonds Darstellende Künste.

Mit freundlicher Unterstützung durch die Akademie der Künste, Berlin und den Bundesverband Freier Theater (BuFT).

Fonds Darstellende Künste Logo

Mitwirkende

Konzept und Realisierung: Gesche Piening und Ralph Drechsel, München

Pressestimmen

Mit Witz, Ironie und Hintersinn hat das Kuratorenduo die Arbeitsrealität der Freien (Theaterschaffenden) auf zwölf Plakaten so anschaulich wie bezeichnend auf den Punkt gebracht.

Die Deutsche Bühne

Herausgekommen ist eine kleine, aber dafür umso pointiertere Bildserie, die Kulturbudgets, künstlerische Arbeitsbedingungen und private Lebensumstände von Kulturschaffenden visualisiert und dabei zuweilen auch bei Kennern der Szene für Überraschung sorgt.

Haidhauser Nachrichten

Es sind schockierende Erkenntnisse, die die Wanderausstellung „brenne und sei dankbar“ mit nur zwölf Postern auslöst. (…) Selbst wer die Studie, auf der sie aufbaut – Günter Jeschonneks „Report Darstellende Künste“ aus dem Jahr 2010 – schon einmal in den Händen hatte, wird erstaunt sein.

taz

„Brenne und sei dankbar“. Treffender kann ein Titel nicht umreißen, was von einem Künstler erwartet wird.

Berliner Zeitung / Frankfurter Rundschau

„brenne und sei dankbar“ zeigt das noch einmal deutlich: Theatermacher in der Freien Szene verdienen wenig und werden vom Staat oft nur mit einem Bruchteil gefördert, was staatliche Theater bekommen, haben Zweitjobs und viel zu lange Arbeitszeiten. Die Situation ist alles andere als rosig (…) und das obwohl – nur um das noch einmal zu betonen – Neuerungen im Theater in den meisten Fällen in der Freien Szene ausgebrütet werden.

Nachtkritik