Gesche Piening
Alter Schaukasten einer längst vergessenen Geschäftsaufgabe
Foto: Gesche Piening

bin pleite ohne mich

2021

Ort

Samstag, 05. 02.2022 um 20:00 Uhr auf SRF 2
Sonntag, 29.09.2021 um 22:03 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur
Ursendung am Freitag, 10.09.2021 um 21:05 Uhr im BR Hörspielartmix

Beschreibung

Pleite sein, bankrottgehen, hoch verschuldet leben, Privatinsolvenz anmelden – das sind Bedrohungen, die wir uns lieber nicht so genau ausmalen und schon gar nicht selbst erleben möchten. Aber was, wenn es doch passiert?

In „bin pleite ohne mich“ spricht das erschütterte Selbstwertgefühl jener, denen es eben doch passiert, die Verzweiflung derer, die nicht mehr mithalten können, und die Hoffnung, dass alles einmal wieder so werden wird, wie es einmal war.

„bin pleite ohne mich“ erzählt auch von der tatsächlichen und gefürchteten Reaktion der „anderen“, die eben nicht pleite sind und zeichnet das kaleidoskopartige Bild einer Gesellschaft, in der die Chancen auf Rehabilitierung sehr unterschiedlich verteilt sind: Für die eine ist die Privatinsolvenz „das Problem ihres Lebens“, für den anderen nur ein Problem in einer Kette von Problemen, die es ein Leben lang abzuarbeiten gilt. Der einen gelingt es spielend, finanzielle Missstände vor ihrem Umfeld zu verbergen, weil die Insolvenz am niedrigen Lebensstandard ohnehin nichts mehr ändert, der andere erlebt einen so erdrutschartigen Statusverlust, von dem auch der weitest entfernte Bekannte Notiz nimmt. Die eine lebt in einem Umfeld voller Ansprüche und Erwartungen, das ein finanzielles Scheitern für unverzeihlich hält und sich abwendet, den anderen fängt sein Umfeld, das ohnehin nicht so viel erwartet, deutlich besser auf.

„bin pleite ohne mich“ zeichnet das Bild einer Verlusterfahrung, die das Leben der Betroffenen vollkommen auf den Kopf stellt und wirft die Frage auf, warum wirtschaftliches Scheitern in unserer Gesellschaft für alle Beteiligten auch sozial und psychologisch etwas so außergewöhnlich Verstörendes ist.

„Schon lange beschäftige ich mich mit Formen gesellschaftlicher Ungleichheiten und den damit verbundenen sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten, die in Stadtgesellschaften koexistieren. In ‚bin pleite ohne‘ mich bin ich der Frage nachgegangen, welchen Bestand diese Ungleichheiten im Falle einer Privatinsolvenz haben. Durch zahlreiche Interviews mit Betroffenen verschiedener sozialer Milieus habe ich festgestellt: selbst pleite sind nicht alle gleich. Die Chancen, die jemand vor, in und nach der Insolvenz hat, verteilen sich nicht neu – soziale, wirtschaftliche und psychologische Ungleichheiten perpetuieren sich im finanziellen Ruin. Die Betroffenen sind damit oft sehr allein. Denn wirtschaftlicher Ruin wird gesellschaftlich stark sanktioniert, was auch psychisch schwer zu ertragen ist. Und wer kann schon wissen, ob die eigenen sozialen Bindungen stark genug sind, um eine Insolvenz – über Jahre – gemeinsam zu (er-)tragen?!“ (Gesche Piening)

Förderer

Die Recherchen zu „bin pleite ohne mich“ wurden gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Mitwirkende

Text und Regie: Gesche Piening

Komposition: Mathis Nitschke

Mit: Stephan Bissmeier, Katja Bürkle, Martin Feifel, Julia Gräfner, Raphaela Möst, Andreas Neumann, Murali Perumal, Nina Steils und Cathrin Störmer

Kontrabass: Leonhard Schilde
Schlagzeug: Erik Costa

Ton und Technik: Michael Krogmann, Adele Kurziel
Regieassistenz: Pauline Seiberlich

Dramaturgie: Katja Huber

Produktion: BR/ DKultur 2021

Pressestimmen

"Gesche Piening gibt den Verstummten ihre Stimme zurück. Und bindet im Verlauf des Stückes die soziale Gemeinschaft, also uns, ganz sachte ein in diesen Prozess. Das gelingt der Autorin, die auch Regie führte, nicht etwa durch ein schnelles, plakatives Umgarnen ihres Publikums. Sie setzt vielmehr auf Sprachrhythmus, den Duktus und das Timbre von Stimmen und auf die oft kaum merklichen Variationen von wiederkehrenden Themen."

epd Medien

"Die Geschichte von denen, die gescheitert und liebevoll aufgefangen werden, ist einfach nicht die vorherrschende Erzählung unserer Zeit“, so Piening. Diese anderen, nicht laut erzählten Geschichten von Betroffenen bringt das Hörspiel, auf einfühlsame und ebenso analytische Weise.

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